Die ganz realen Schutzgeister im Wasser
Die „kleinen Helfer“ der Wasserwacht bewahren Badegäste
vor großen und kleinen Unfällen


Wasserwachtler in ihrem Element: (von links) Jugendleiter Stefan Kreil, Kürmeier Phillipp, Fabian Dahl, Florian Moosbauer, Sebastian Moosbauer, Uta Schmolke, Helena Baus, Simon Baron, Johanna Schachtl und 1. Vorstand Birgit Moosbauer. (Fotos: Forster)

Von Barbara Forster

Burghausen
. Wenn Kinder beim Baden auf Bienen treten oder ein Unfall auf dem Spielplatz passiert, ist die Wasserwacht nicht weit. Mit kühlem Eis und Verband eilt sie zur Stelle und verarztet geschickt die kleinen Wunden. Wenn ein Ohrring oder eine Kette ins Wasser des Freibads fällt? Kein Problem für die Wasserwacht. Binnen weniger Sekunden würde ein Mitglied der Wasserwacht ins Becken springen und das Schmuckstück wieder emportauchen.

Das Schwimmteam sorgt für das Wohlergehen der Leute und hilft, wo es nur kann. Laut ihrem Motto: „Aus Spaß am Sport und aus Freude am Helfen“ bewahrt die Gemeinschaft jedoch nicht nur kleine Kinder vor Verletzungen, sondern rettet im Ernstfall auch Leben. Menschen vor dem Tode zu bewahren, das ist der eigentliche Job eines Wasserwachtlers.
Wer glaubt, dieses Amt sei eine leichte Aufgabe, den belehrt Birgit Moosbauer eines Besseren. Die Vorsitzende der Burghauser Wasserwacht weiß, worauf es in solchen Fällen ankommt: „Man versucht vor allem Ruhe zu bewahren. In schlimmen Fällen erfolgt ein Herz-Lungen-Wiederbelebungsversuch, ein immer wieder geübtes Programm wird dann abgespult. „Gott sei Dank gab es im Freibad noch keine Todesfälle, nur am Wöhrsee kam es einmal zu einem Beinah-Unfall“, erinnert sich Moosbauer.
Die Burghauser Wasserwacht hat heute ungefähr 400 Mitglieder und besteht seit 1949. Ungefähr 6000 Dienststunden leisten die Mitglieder jedes Jahr ehrenamtlich. Moosbauer zählt sechs verschiedene Gruppen auf: Die Nichtschwimmergruppe von drei bis sieben Jahren, die in erster Linie Schwimmen lernen und die Schwimmanfängergruppe. „Diese Übergangsgruppe ist für Kinder, die schon mindestens 25 Meter schwimmen können. In der Regel sind dies so Fünf- bis Achtjährige“, so Moosbauer. Weiter gibt es noch eine Gruppe für Grundschulkinder bis zehn Jahre, die das Brustschwimmen bereits gut beherrschen und die sicher 50 Meter weit schwimmen können. Die vierte Gruppe ist für Zehn- bis Zwölfjährige, die das Kraulen und die ersten Grundlagen des Rettungsschwimmens erlernen. Danach folgt die Gruppe für 13- bis 16 -Jährige, die sich intensiv auf das Rettungsschwimmen konzentrieren. Aus ihnen rekrutiert sich die „schnelle Einsatzgruppe“, junge Erwachsene ab 18 Jahren. Diese Gruppe wird speziell dazu ausgebildet, Menschenleben zu retten. Diese Helfer können auf Schutzanzüge zugreifen, die gegen die Kälte schützen und sie fahren mit Motorbooten raus an die Unfallorte.
Doch nicht nur die Praxis wird den Ehrenamtlichen beigebracht, auch die Theorie soll nicht vernachlässigt werden: „Die kleinen Kinder lernen zunächst, wie man einen Notruf betätigt und wie man ein Pflaster richtig aufklebt. Vor allem aber wird ihnen beigebracht, keine Scheu vor verletzten Menschen zu haben“, klärt die Vorsitzende auf.
Training für Kinder ist jeden Mittwoch von 18 bis 19 Uhr und für Jugendliche und Erwachsene mittwochs von 19 bis 20 Uhr. Für die Erwachsenen findet einmal im Monat zusätzlich ein Training für Motorbootübungen statt. Im Winter trainieren die kleinen sowie die großen „Wasserratten“ im Hallenbad und treffen sich einmal im Monat in der Piracherstraße 20. Im dortigen Ausbildungszentrum wird dann die Theorie unterrichtet. Im Sommer wechselt das Training jede Woche ab, einmal am Wöhrsee und einmal im Schwimmbad.
„Die Wasserwacht legt besonderen Wert auf Sozialkompetenz und Gruppendynamik“, betont Birgit Moosbauer. „ Wir sind ein eingespieltes Team, und das wöchentliche Training schweißt besonders zusammen. Deshalb haben wir viele Mitglieder, die schon seit Jahren dabei sind.“


Johanna Schachtl übt das Kraulen. Gut schwimmen können, gehört bei der Wasserwacht zum Programm.